Samstag, 20. Februar 2016

Rezension zu "Wir waren hier" von Nana Rademacher

 
Autor: Nana Rademacher
Titel: Wir waren hier 
Genre: Dystopie (Jugendbuch)
Format: Gebunden, mit Schutzumschlag
Umfang: 352 Seiten
Verlag: Ravensburger
Erscheinungstermin: 18. Januar 2016
Preis: 14,99 €
ISBN-10: 3473401390
ISBN-13: 978-3473401390

Anna ist 15 Jahre alt und lebt im Berlin der Zukunft, doch Berlin ist nicht mehr so wie wir es kennen, es wurde durch einen Krieg zerstört und wird von der WePo beherrscht. Während die Regierung die wenigen noch lebenden Bewohner Berlins mit Ausgangssperren und geringen Lebensmittelrationen beherrscht, versucht Anna gemeinsam mit ihren Eltern zu überleben. Denn nicht nur der Krieg hat Berlin zerstört, auch die extremen Klimabedingungen sorgen für ihr übriges, im Winter ist es extrem kalt, im Sommer extrem heiß, dazwischen gibt es kaum noch etwas. Als Anna eines Tages einen Chip findet und damit ihr Board wieder zum Laufen bringt und wider erwarten damit ins Internet kommt, beginnt sie einen Blog zu schreiben und lernt Ben aus Hamburg kennen und eines Tages ist Ben plötzlich da, bei Anna, in Berlin.
Ich muss sagen, dass es ein extrem schnell zu lesendes Buch ist, das ich an nur einem Abend regelrecht inhaliert habe. Die Sprache ist zu Beginn knapp und die Sätze kurz, diese Sprachwahl spiegelt förmlich die Kälte und die Hoffnungslosigkeit wieder, die in unserer Landeshauptstadt der Zukunft herrscht. Und doch erzählt Nana Rademacher ihre Geschichte mit viel Ausdruck und Gefühl und man fühlt sich zu ihren Charakteren hingezogen. Gelungen fand ich auch den unterschiedlichen Sprachstil in den Buchabschnitten, während der erste Teil, der Blogteil, eher aus abgehackten Sätzen besteht, wird der Schreibstil im zweiten Teil viel flüssiger und glatter.
Ich habe einen kurzen Moment gebraucht, bis mir klar wurde, dass der komplette erste Teil nur aus Annas Blogeinträgen besteht, doch als mir genau das richtig klar war, sah ich Berlin mit den Augen der fünfzehnjährigen Anna. Anna kennt Berlin kaum noch, wie es vor dem Krieg war, denn sie war gerade einmal sieben Jahre alt, als der Krieg ausbrach. Anna schildert, wie sie versucht zu überleben, ihre Mutter ist nur noch ein Schatten ihrer Selbst und hat keine Kraft mehr, ihrer Tochter eine Mutter zu sein, Annas Vater versinkt in Hoffnungslosigkeit und ist ebenfalls keine Hilfe für das Mädchen. Somit ist Anna zum großen Teil auf sich allein gestellt, doch Anna ist eine Kämpfernatur und tatsächlich erwähnt sie sogar, dass sie, als ihre Eltern von Flucht aufs Land reden, ihr Leben in Berlin mag.
Anna ist ein ganz besonderes Mädchen, es ist immer wieder erstaunlich, mit welchem Mut und welcher Kraft sie für sich, aber auch für die Personen einsteht, die ihr nahe stehen. Als Ben, den sie durch ihren Blog kennenlernt, in ihr Leben tritt, beginnt für Anna eine Zeit der Hoffnung und der Liebe. Ben ist mysteriös und hat seine Geheimnisse, aus denen man nicht schlau wird und selbst Anna vertraut er sich nicht an. Und doch ist er etwas besonderes, denn er macht Anna Komplimente und zeigt ihr sogar, wie die Sterne schmecken.
Mein einziger Wehrmutstropfen war ein wenig der Schluss, doch ich glaube, der war hier durchaus durchdacht und berechtigt. Auch wenn mir das gar nicht gefallen hat, klingt das recht realistisch, jedoch möchte ich dazu erst mal nicht viel zu sagen.

Eindrucksvoll und kurzweilig geschrieben, entwickelt sich das Buch zu einem regelrechten Pageturner. Das ganze Geschehen des Romans ist einem umso näher, da es hier in Deutschland spielt und ich muss zugeben, absolut abwegig ist es nicht, was da passiert ist und genau das macht diesen Roman aus. Es ist ein durchweg beängstigendes Szenario, bei dem man nur ganz fest hoffen kann, das es nicht so kommen wird. Was ich mir bei diesem Buch durchaus vorstellen kann, wäre es als Schullektüre zu lesen. Mir hat es gefallen und ich denke, dass es auch die Zielgruppe ansprechen wird.

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