Sonntag, 30. Oktober 2016

Zurück in die Vergangenheit [Rezension] Dunkler Donnerstag von Nicci French

Dieses Mal ermittelt Frieda Klein an wahrscheinlich ihrem persönlichsten Fall

Infos zum Buch:

Autor: Nicci French
Titel: Dunkler Donnerstag
Originaltitel: Thursday's Children
Format: Taschenbuch
Genre: Thriller
Umfang: 448 Seiten
Verlag: Penguin Verlag
Erscheinungstermin: 08. August 2016
Preis Buch: 10,00 €
Preis ebook: 8,99 €
ISBN-10: 3328100105
ISBN-13: 978-3328100102

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*Verlagsgruppe Randomhouse*




Als die Psychotherapeutin Frieda Klein unerwartet Besuch einer alten Klassenkameradin aus Braxton, ihrem Heimatort, bekommt, sind ihre Gefühle zunächst sehr zwiegespalten. Eigentlich wollte sie nie wieder etwas mit ihrer alten Heimat zu tun haben und es reizt sie nichts, wieder zurückzukehren. Doch die fünfzehnjährige Tochter ihrer Bekannten benötigt dringend Hilfe und so bietet sie an, dem Mädchen zunächst einmal auf privater Ebene zuzuhören. Becky wirkt auf Frieda allerdings nicht wie ein typischer, rebellierender Teenager, sondern ist völlig verstört. Nachdem sie Vertrauen zu Frieda fasst und ihr erzählt, was ihr wirklich widerfahren ist, wird diese schlagartig in ihre Vergangenheit zurückversetzt, denn das Grauen, das Becky erlebt hat, weißt Parallelen auf, zu etwas aus ihrer eigenen Teenagerzeit. Sie kehrt nach Braxton zurück, doch der Empfang in dem Ort ist alles andere als herzlich. 



Dies ist mittlerweile schon der vierte Fall für die Psychotherapeuthin Frieda Klein und auch dieses Buch beginnt in typischer Nicci French Manier. Zunächst ruhig und auch mit wenig Drama, nimmt der Fall ganz langsam Fahrt auf und man erfährt zwar schon recht früh, welchen Zusammenhang es zwischen Becky und Frieda gibt, tappt aber noch eine ganze Zeit lang im Dunklen, wenn es um den Täter geht. Der Schreibstil ist sehr flüssig und auch ohne viel Blut und Action gelang es der Autorin, an ihre Geschichte zu fesseln. Während sich also die Spannung langsam aufbaut und es so einige Wendungen gibt, die ich so gar nicht auf mich zukommen sah, erfuhr ich auch sehr viel über die Psychotherapeutin Frieda Klein, denn diese muss sich nun mit ihrer eigenen Geschichte auseinander setzen. Dieser Fall ist dann auch sehr realistisch gehalten und während des Lesens habe ich permanent meine eigenen Thesen aufgestellt, was denn wirklich passiert ist und wer der Täter war. Interessant fand ich in diesem Band der Reihe, dass man nun auch mal einen großen Teil aus der Teenagerzeit der Protagonistin erfährt. Dieser kleine Ort, in dem jeder alles über den anderen zu wissen scheint, passte zunächst so gar nicht in mein Bild, das ich bisher von der Psychotherapeutin hatte. Wobei ich schon zugeben muss, dass es alles durchweg glaubhaft dargestellt wurde und ich mir das ganze Geschehen lebhaft vorstellen konnte. Auch die Psychotherapeutin wurde dadurch wieder ein wenig greifbarer für mich, denn wenn ich ehrlich bin, bin ich immer noch sehr zwiegespalten, wenn es um die Dame geht. Mir fällt es nach wie vor nicht leicht, diese Frau zu mögen, denn sie ist einfach so kalt und unnahbar, jedoch so komplex in ihrer Art, das ich einfach nur immer wieder staune, was hier für ein Charakter erschaffen wurde. Frieda hat einfach so unglaublich viele Facetten und es scheinen immer mehr zu werden, manchmal beginne ich sogar mit ihr zu sympathisieren, bis sie dann wieder etwas macht, was ich keineswegs nachvollziehen kann. Sie ist und bleibt einfach ein komplexer Charakter, den ich zwar nicht unbedingt kennenlernen möchte, mich aber mit seinen Handlungen immer wieder überraschen, aber auch überzeugen kann. Neben Frieda gibt es auch ein Wiedersehen mit ihren Freunden aus London, die ich dann wiederum sehr sympathisch finde, sei es ihr ehemaliger Therapeuth Reuben oder der Handwerker Josef, sie sind wie gute Bekannte, auch wenn sie dieses Mal eher nebensächlich auftreten. Dafür fand ich es umso spannender, ihre Clique aus Teenagertagen kennenzulernen und bin schon sehr überrascht über das Bild, das ich nun von ihr erhalte.


Wer eher ruhige, fast schon typisch britisch anmutende Krimis/Thriller mag, wird auch hier richtig liegen. Zwar kann ich mir vorstellen, dass es nicht unbedingt relevant ist, die vorherigen Teile zu kennen, um mit dem Fall, der zum Ende hin abgeschlossen ist, zurecht zu kommen. Allerdings geht es hier auch ein Stück weit um die persönliche Entwicklung Friedas. Dieser komplexe Charakter, der mich auch dieses Mal im Zwiespalt zurück läßt, ist absolut interessant, wenn auch völlig gestört und sehr verschroben. Ich selber schüttel auch weiterhin über sie den Kopf und könnte mir nicht vorstellen, diese Person kennenlernen zu wollen. Trotzdem oder gerade deswegen finde ich diese Thrillerreihe der Autorin aber so lesenswert und ich empfehle sie gerne weiter. Wer allerdings viel Tempo und blutige Schocker mag, ist hier fehl am Platz, denn hier herrschen die ruhigen Töne.





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