Mittwoch, 2. November 2016

Interview mit Thrillerautor Linus Geschke

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, durfte ich für den Edel Verlag den neuen Thriller des Autors Linus Geschke lesen. Aber ich durfte auch ein Interview mit dem Autor führen und freu mich riesig, euch heute dies zeigen zu dürfen.

Über Linus Geschke:



© Privat
Der 1970 geborene Kölner Autor Linus Geschke hatte schon immer ein Faible für ungeklärte Kriminalfälle: Bereits seine Abschlussarbeit beim Journalistikstudium hatte die sogenannte „Dritte Generation“ der RAF (Rote Armee Fraktion) zum Thema, deren Taten bis heute viele offene Fragen zurückgelassen haben.

Diese Leidenschaft für das Mysteriöse und Ungeklärte spiegelt sich auch in seinen Büchern wieder: Im Oktober 2014 erschien mit “Die Lichtung” der erste Krimi von Linus Geschke im Ullstein-Verlag, in dessen Mittelpunkt der Journalist Jan Römer steht, der gemeinsam mit seiner besten Freundin “Mütze” in einem ungeklärten Mordfall aus den 80ern ermittelt.     Am 14.03.2016 wurde die Reihe dann mit dem zweiten Band “Und am Morgen waren sie tot” fortgesetzt, ein dritter Teil ist bereits in Arbeit. Parallel dazu schreibt er an einem Thriller, der im Frühjahr 2017 im Berlin-Verlag erscheinen wird.
Der reale Zodiac ist für Linus Geschke der vielleicht faszinierendste Serienkiller aller Zeiten: Seitdem er 2007 im Kino den David Fincher-Film „Zodiac – Die Spur des Killers“ (hervorragend besetzt mit Jake Gyllenhaal und Robert Downey Jr.) gesehen hat, lässt ihn der Mörder nicht mehr los. Seine Taten, die damit einhergehende Symbolik und die Mitteilungen an Polizei und Presse sind laut Geschke „eine fast schon perfekte Vorlage für einen Thriller, der Fakten mit Fiktion verbindet“.
Linus Geschke lebt in Köln und arbeitet als freier Journalist für führende deutsche Magazine und Tageszeitungen, darunter Spiegel Online, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und das Tauch- und Reisemagazin “unterwasser”. Mit seinen Reportagen hat der begeisterte Anhänger des 1.FC Köln bereits mehrere Journalistenpreise gewonnen. (Quelle: www.die-akte-zodiac.de).



Mein Interview:



Hallo Herr Geschke,

erst einmal vielen Dank vorab, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen. Wie ich Ihrer Facebookseite entnehmen konnte, waren Sie ja gerade in Kenia. Ich habe die Fotos des Radwechsels bei 38° gesehen, da kommt man ja schon beim Zusehen ganz schön ins Schwitzen. Fast so sehr wie bei Ihrem Thema in Ihrem neuen Buch - Die Akte Zodiac.


Fakt ist, dass der Zodiac-Killer mich noch deutlich mehr auf Trab gehalten hat als die Reisen, die ich mache. In der Zeit des Schreibens bin ich mit dem Gedanken an ihn ins Bett gegangen und damit aufgestanden. So gesehen hatten wir fast eine Art Partnerschaft – rein platonisch, natürlich.

Mit "Die Akte Zodiac" erschien ja nun schon Ihr drittes Buch im Bereich Krimi/Thriller. Warum haben Sie sich für Thriller entschieden?


Als Autor sollte man am besten die Art von Büchern schreiben, die man selbst als Leser gerne lesen würde – und dies sind bei mir nun einmal Krimis und Thriller. Neben der reinen Spannungshandlung, die immer im Vordergrund stehen sollte, bietet einem das Genre so viele weitere Möglichkeiten: Man kann es mit ein wenig Liebe würzen, mit Tragik, mit zeitgeschichtlichen Informationen. Irgendwie erinnert mich das Ganze dann immer an ein Schachbrett – nur 64 Felder, aber unendlich viele Möglichkeiten.

Der Zodiac gehört ja zu einem der berühmtesten Serienkiller Amerikas. Was genau fasziniert Sie so sehr an diesen Menschen?  Und im Speziellen am Zodiac Killer?


Ich finde Serienkiller generell gar nicht so spannend – die meisten davon waren in der Realität ja eher blasse, unscheinbare Typen, die nichts mit der Faszination einer Romanfigur wie Hannibal Lector gemeinsam hatten. Der Zodiac bildet dabei allerdings eine Ausnahme: Er hat sich ein Markenzeichen verpasst, das Symbol. Sich einen Namen gegeben, Zodiac. Mit Presse und Polizei kommuniziert und diese verhöhnt. Junge Liebespaare getötet. Und vor allem: Er wurde nie gefasst. Alles zusammen macht ihn schon zu einem Charakter, der einen nicht mehr loslässt.


Sie geben ja einige Rückblicke auf die wahren Taten des Zodiac. Ich habe damals das Buch von Robert Graysmith gelesen und fand das wirklich ausgezeichnet wiedergegeben. Woher haben Sie Ihre Informationen? Bzw. wie haben Sie hier recherchiert?

Ich habe mich ebenfalls dicht an dem orientiert, was Graysmith recherchiert hat. Dazu gibt es einige hervorragende Internetseiten von Menschen, für die der Zodiac fast zu einer Lebensaufgabe geworden ist – beispielsweise www.zodiackiller.com. Außerdem sind viele der Polizei- und FBI-Akten mittlerweile frei einsehbar.

Der Zodiac war ja eh ein sehr faszinierender Fall, der wirklich ständig zum Grübeln anregt. Mal eine reine Spekulation, haben Sie eigene Theorien, wer der Zodiac war? Was aus ihm wurde?

Ich denke, dass Arthur Leigh Allen der Täter war. Mehr oder weniger bin ich sogar davon überzeugt, trotz der DNA-Spur unter einer Briefmarke eines Briefes des Zodiacs, die nicht mit Allen übereinstimmt. Aber das waren die späten 60er und frühen 70er Jahre, da hat noch keiner drauf geachtet, dass Spuren nicht verschmutzt werden. Selbst heute passiert das ja noch – man denke nur an das „Phantom von Heilbronn“.

Spekulieren wir weiter: warum hat er noch jahrelang an die Öffentlichkeit geschrieben?

Wenn wir etwas über den Zodiac wissen, dann: Er hatte ein wahnsinnig großes Selbstdarstellungsbedürfnis, stärker noch als sein Mordtrieb. Als dieser nachgelassen hatte, wollte er immer noch „wichtig“ sein, sollten die Menschen immer noch „Respekt“ vor ihm haben. Aus diesem Grund hat er sich ja auch mit Taten gebrüstet, die er gar nicht begangen hatte. Ein Selbstdarsteller halt – vielleicht neben Jack the Ripper der Serienkiller, der das eigene „Marketing“ am besten beherrschte.

Mittlerweile ist es ja erwiesen, dass die Polizei viele Fehler begonnen hat bei ihren Ermittlungen? Was denken Sie, wo der größte Fehler lag?

Ganz sicher in der mangelnden Kooperation untereinander. Ist es nicht Wahnsinn, dass bis Mitte der 80er Jahre die eine Ermittlungsbehörde von der anderen nicht wusste, wen sie als Hauptverdächtigen hatte und welche Spuren vorlagen? Vallejo County, Solano County, das SFPD (San Francisco Police Department): Da hat jeder für sich ermittelt und dem anderen nichts verraten, um den möglichen Ermittlungserfolg selbst verbuchen zu können. Heutzutage wäre dies undenkbar – damals scheinbar die Normalität.

Darf man in Zukunft auf weitere Fälle Ihrer Ermittler Lendt/Lamprecht/Brock hoffen? Gibt es da schon Ideen?

Das weiß ich wirklich noch nicht. Jetzt schreibe ich erst einmal an dem dritten Band der Jan Römer-Reihe, der im Winter 17/18 bei Ullstein erscheint, und an einem ziemlich düsteren Thriller für einen anderen Verlag. Generell aber könnte ich mir auch bei dem Team um Eva Lendt und Marco Brock eine Fortsetzung vorstellen – Potential und genügend unaufgeklärte Fälle sind sicher vorhanden. 

Vielen herzlichen Dank an Linus Geschke und den Edel Verlag!

 

Kommentare:

  1. Ein tolles Interview! Ich liebe den Zodiac-Film ebenfalls und wurde nun auch noch neugierig auf das Graysmith-Buch gemacht. Da freue ich mich umso mehr auf Teil 2-4 der Akte Zodiac.
    Liebe Grüße,
    Lina

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    1. Huhu Lina,

      ich freue mich sehr über deinen Besuch und ein dickes Dankeschön. :)

      Ich verspreche dir, du wirst noch in die Irre geführt. ^^ Mir hat die Reihe auf jeden Fall super gefallen.

      Liebe Grüße
      Silke

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